Dienstag, 21. Dezember 2010

gelesen #4

Was man schon munkeln hörte, wurde wahr: Die Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck verkauft die Main-Post. Man liest im Internet vom Zeitungsverkauf, doch im Interview zum Deal gibt es lobende Worte für die Arbeit am Main.

Passend dazu habe ich gestern Abend in DIE ZEIT einen Rückblick auf die Tiefpunkte des Journalismus 2010 gelesen. "Was ist bloß mit uns los?" fragt hier die Überschrift, doch im Resümee ist man sich wieder sicher, dass "die Prognosen vom baldigen Absterben des gedruckten Journalismus nicht [eingetreten sind], und es spricht wenig dafür, dass sich das in absehbarer Zeit ändert."

Stefan und Stuttgart ist diese "generell [verändernte] Medienlandschaft" natürlich auch aufgefallen. Entschieden wurde dort allerdings, sich "auf die Bereiche Bildung und Wissenschaft, den Buchbereich und das Internetgeschäft zu fokussieren".

Zum Zeitungszukunftzweifeln fällt auch der Wiederbelebungsversuch der Welt Kompakt ein. Diese Maßnahme hat Christian Schwarm, Geschäftsführer bei "dorten", letzten Monat in der Universität Leipzig genutzt, um seine Gastvorlesung zu eröffnen und seine "Ideen-Agentur" vorzustellen.

Was bleibt ist wenig Neues. Kurven, die fallen, doch in Zeitungshäusern weiterhin in die Horizontale geredet werden. Ich bin gespannt, welches Bild sich Ende nächsten Jahres bietet, wenn ich die Zeitung aufschlage.

Mittwoch, 15. Dezember 2010

gelesen #3

"Rationalisierung ist nach Weber
das Grundprinzip der bürgerlich-kapitalistischen Welt."

Wird damit endlich die Tatsache, dass ich weder weiß, noch wissen will, wie Wolken, Nordlichter und Ufos entstehen, zum Widerstand gegen das Spießertum?

Gelesen habe ich: "Das lange 19. Jahrhundert. Profil einer Epoche." von Franz J. Bauer (Reclam, 2004)

Dienstag, 7. Dezember 2010

gelesen #2, "wetten, dass...?" #2

Das "Schöne" im Traurigen bringt eine Boulevardzeitung aus Österreich in die Geschichte vom vergangenen Samstag. Traumhafter Journalismus für den Papierkorb.

"Österreich erfindet "wetten, dass...?"-Bericht

Montag, 6. Dezember 2010

Zeit verdummen

Damit Gottschalk und "wetten ,dass ...?" mal wieder auf Seite 1 für Schlagzeilen sorgen, mussten schon fast Köpfe rollen. Da es mir am Samstag Abend nicht möglich war meine Zeit live zu verdummen, habe ich heute 10 Minuten am Altar der Kommentare geopfert.

Auf Zeit-Online wird ein (wie gewohnt sehr medienkritischer und entwicklungs-pessimistischer) Kommentar der Leipziger Volkszeitung zitiert. Bunter wird es im Laiengekritzel unterhalb der bottom line.

"Wetten, dass ...?" habe ich wohl oder übel nicht mehr gesehen, seit ich aus der elterlichen Wohnung ausgezogen bin. Doch sogar eine Erinnerung aus der Stube meiner Oma besucht mich bei der Nachrichtenlektüre: 1994, damals war ich 8 Jahre alt, schickte mich mein Vater aus dem Wohnzimmer, als der Formel-1-Pilot Ayrton Senna beinahe ungebremst in die Streckenbegrenzungsmauer fährt. Im Krankenhaus erliegt er wenig später seinen Verletzungen.

Sensationsgeilheit kann das moderne Fernsehprogramm sicherlich schon lange nicht mehr verleugnen. Ob dieses Interesse das Publikum den Sendern aufdrückt, oder diese Entwicklung vice versa geschehen ist, wird auch Thomas Gottschalk nicht klären. Beinahe verständlich wird diese Lust auf Skandale, wenn man bedenkt, dass sich ein großer Teil der deutschen Fernseh-Rezipienten wieder und immer wieder 90 Minuten am Stück langweilt, wenn die Fußball-Bundesliga zur Sonntagsmesse ruft.

Ich werde zum Erstaunen meines Kabel-Deutschland-Kundenberaters dabei bleiben: "Internet und Telefon. Kein Fernsehen." Und jetzt widme ich mich wieder meinem Medienethik-Pamphlet. (Zumindest macht das eine gute Schlusszeile.)

Dienstag, 30. November 2010

gelesen #1

"Ich glaube, Tolerant hat viel mit Selbstbewusstsein zu tun,

wozu auch das Wissen um die eigenen Schwächen gehört und

die Fehler, die man macht."


Im Buch geht es um das Reisen und nach der Lektüre sehe ich mich in vier meiner Meinungen bestärkt:


#1

Reisen am besten, wenn man jung ist.

#2

Asiatische Grossstädte sind Orte ohne Anziehungskraft auf mich.

# 3

Die Menschen, die man trifft, bestimmen die Reise.

# 4

Unverhofft kommt oft.


Gelesen habe ich: "In 80 Tagen um die Welt" von Helge Timmerberg (Rowohlt Taschenbuch Verlag, 2009)

Sonntag, 28. November 2010

live und rest-zensiert

Eine Weltmacht auf der Rolltreppe abwärts. Und dank den modernen Massenmedien sind Alle live dabei. Die USA muss den nächsten (Tief-?) Schlag einstecken und während nicht nur Guido Westerwelle wahrscheinlich mit den Zähnen knirscht, aktualisiert sich das Trauerspiel mit Druck auf [F5].

Die Sensationsgeilheit ist auf dem Siedepunkt. Wenn man sich den „Trailer“ auf Spiegel-Online anschaut, war „seriöser“ Journalismus wohl selten reißender. Die Reaktionen weltweit bloggt Zeit-Online im Tickerformat. Nur auf den Seiten der Lokalzeitungen gewinnt auch diesen Sonntag König Fußball. Soweit ich geschaut habe, souverän mit 2:0.

Wenn ich weiter an die Funktionen von Medien, deren Janusköpfigkeit und die Rolle des Internets denke, fange ich noch das Lernen an. Aus diesem Grund und ohne tieferes Sendungsbewusstsein will ich hier nicht weiter den Kommunikator geben, sondern mache mir mir jetzt einen Tee, drücke nochmal auf „aktualisieren“ und genieße die Annehmlichkeiten des Rezipienten von heute.

ohne Mikrowelle

Milch

dampft im Topf und

kitzelt Erinnerungen aus der Nase.

Mama kocht Milch für Kaba.

In der alten Küche.

In dem kleinen, braunen Topf.

Jeden Morgen.

Danke Mama. Du bist die Beste.

Procrastinating

Ich koche Wasser, löffle etwas Cappuccino-Pulver in meine Tasse und reiße die Verpackung von feinstem Butterspekulatius auf. Der Wasserkocher klickt, ich gieße, rühre und trage schließlich alles zum Tisch. Stelle alles ab und räume dann noch mal um. Die Kekse links. Die Tasse rechts. Neben dem noch halbvollem Glas Orangensaft. I'm procrastinating.

Jetzt öffne ich sogar den Writer meines freien Office-Pakets und fange an diesen Text über meine Unlust, die Arbeit nicht anfangen zu wollen, zu schreiben. I'm procrastinating. Ich weiß nicht mal, wie ich das auf deutsch ausdrücken kann, aber da ich gerade eh nur Sachen anfange, die mich meinem Ziel nicht näher bringen wird das gleich mal gegoogelt.

„to procrastinate englisch deutsch.“ Der erste Link verrät mir: to procrastinate. Fett gedruckt. Und ohne typografische Auszeichnung darunter, zögern, zaudern, aufschieben, Zeit schinden, prokrastinieren, Dinge aufschieben, verschleppen. Jedem Wort gönnt der zuverlässige Online-Übersetzer eine eigene Zeile.

Jede einzelne Übersetzungsalternative ist weiter verlinkt, doch soweit treibt mich die Verzweiflung dann doch nicht.

Und jetzt? Entgegen dem, was ich gestern in mein Tage-, oder „Gedankenbuch“ geschrieben habe, werde ich als nächstes „Blog“ googeln, mich bei dem Anbieter meiner schlecht recherchierten Wahl anmelden und diesen Text als erstes Werk hochladen.

Ja, das sollte mich wieder eine halbe Stunde kosten und aus der Küche grinst schon Altglas und Spülkram.