Donnerstag, 10. Februar 2011

Mittwoch, 9. Februar 2011

hier und da

Wer das liest und meint sich freuen zu sollen, darf auch mal daran denken.

Wenn man 1 und 1 zusammen zählt, darf man am Freitag wieder kreative Ausreden von westlichen Staatslenkern und Wegguckern erwarten.

Mittwoch, 2. Februar 2011

und während alle nach Ägypten schauen...

... werden 2.500 Polizeibeamte bei einem Großeinsatz in Berlin für Panikmache und Hetze gegen "Linksextreme" bezahlt. Nach Informationen dazu muss man in der deutschen Medienlandschaft jedoch etwas länger suchen, bis man nolens volens bei der taz landet.

Erstaunlich wenig hat man auch davon gelesen, dass sich letzten Samstag wieder 40.000 (!) Menschen in Stuttgart versammelt haben, um den Protest gegen Stuttgart 21 fortzusetzen. Genauso volksfern und auf neuem Niveau-Tiefstniveau zeigt sich die CDU, wofür auch wieder Platz in den Schlagzeilen ist. Hier lohnt sicher auch ein Blick in die Kommentare, um die Stimmung im Süden nachzufühlen.

Dienstag, 1. Februar 2011

Patriotismus?

Hätte mich vor meiner Kanadareise jemand gefragt, ob ich patriotisch sei, hätte ich ihn vermutlich ausgelacht. Auf dem Weg zur Hochschulreife wurde ich Jahr für Jahr erst an die West- dann an die Ostfront geschickt und an die unrühmliche, junge deutsche Vergangenheit erinnert. Auf den Konzerten, die ich veranstaltet und besucht habe, war man sich auch sicher, dass Hitler eine durch und durch verachtenswerte Person war, doch es ging auch um in die Luft gestreckte Fäuste und Widerstand gegen alles von Postleitzahlen über Polizisten bis hin zum ganzen System.

In Kanada hatte ich dann zum ersten Mal Unterhaltungen, in denen mein Gegenüber nicht verstehen konnte, wie man nicht stolz auf sein Vaterland sein kann. Meine Argumente schienen einleuchtend, aber Kanadier (zumindest die jungen) sind viel zu "open-minded" um auf solch alten Kamellen rumzukauen.

Wenn ich heute an die Möglichkeit denke, den Großteil meines Lebens im Ausland, sagen wir in Kanada, zu verbringen, bekomme ich (seit neuestem) das Gefühl ich könnte meine Heimat vermissen. Und ist das nicht irgendwie patriotisch?

Patriotisch? Was sagt denn (unser aller Lieblingsquelle) Wikipedia dazu?

"Als Patriotismus wird eine emotionale Verbundenheit mit der eigenen Nation bezeichnet." Ok.

"Im Deutschen wird anstelle des Lehnwortes auch der Begriff „Vaterlandsliebe“ synonym verwendet." Igith!

"Diese Bindung wird auch als Nationalgefühl oder Nationalstolz benannt und kann sich auf ganz verschiedene als Merkmale der eigenen Nation angesehene Aspekte beziehen, etwa ethnische, kulturelle, politische oder historische." Ethnische Aspekte? Nein! Kulturelle Aspekte? NEIN! Politische Aspekte? NEIN, NEIN! Historische Aspekte? NEIN, NEIN, NEIN! Das hilft mir also nicht weiter. Oder ist es einfach nicht Patriotismus was mich momentan beschäftigt? Hoffnung.

Vielleicht ist es einfach Faulheit. In Deutschland lässt es sich einfach leben. Da kann der Otto-Normal-Deutsche so viel jammern, wie er will. Er jammert auf einem unglaublich hohen Niveau. Dazu kommt, dass man sich extrem "dagegen" fühlen kann, ohne eigentlich etwas zu tun. Man kann Bücher und Zeitungen lesen und Musik hören, jeder Zeile zustimmen und sich dabei ganz "links", "alternativ" oder "dagegen" fühlen ohne nur das Bett zu verlassen.

Das ist einfach und der Weg des geringsten Widerstand war in der Vergangenheit gerne die Route, die ich eingeschlagen habe. Doch irgendwie befriedigt mich diese Antwort noch nicht. Doch was ist es dann?

Die Fetzen Geschichte und Kultur, auf die man sich mit mehr Stolz berufen könnte? Gutenberg, Luther, Goethe. Ich weiß nicht, ob das reicht. Natürlich (und "Gott" sei dank) gibt es meine Familie, leben hier viele Freunde. Die, die man schon ewig kennt und in letzter Zeit viel zu selten sieht. Die fünf bis sechs neuen Freunde, die man in einem 400-Kopf-Hörsaal erst mal finden muss. Vielleicht liegt es in diesem Fall einmal nicht an diesen unverzichtbaren Menschen. Ich weiß nicht, was es ist. Vielleicht doch die Faulheit, die ich heute morgen nicht als Grund zählen lassen will.

Ich glaube nicht, dass Nationalitäten eine gute Schublade sind. Ich habe während Reisen so viele Menschen getroffen, mit denen ich Köpfe tauschen könnte und wir würden immer noch die gleichen Gedanken spinnen. Aber sie leben auf einem ganz anderen Flecken Erde, sind in einer anderen Umwelt aufgewachsen, berufen sich auf eine andere Geschichte und die Chance, dass ich sie überhaupt kennenlerne ist minimal. Doch vielleicht werden diese Schubladen bald andere Titel haben, oder der ganze Schrank fällt auseinander.

Immerhin glaube ich, dass uns eine große Veränderung bevorsteht und bin gleichzeitig optimistisch genug, dass wir 2012 und auch 2013 noch erleben. Im Westen scheint es, als schreibe eine Weltmacht selbst ihre letzten Kapitel. Im Osten wird eine riesige Diktatur immer arroganter und (wirtschaftlich) erfolgreicher. In Afrika dient eine Revolution der nächsten als Funkenschlag. In Europa strauchelt eine Währung, wird ein Mediensystem mundtot gemacht und eine noch unentschiedene Unzufriedenheit wächst schon lange, in eine Richtung die sich noch schwer voraussagen lässt. Ich bin sicher, dass sich etwa ändern muss und wird. Nur fühle ich mich heute auch, als ob ich nicht gerade viel weiß.

Sonntag, 23. Januar 2011

schwarz, schwarz, schwarz sind alle seine Kleider.

Letzt hat sich eine Erinnerung in meinem Kopf gemeldet, die ich vielleicht als meine erste nennenswerte Medien- oder Politikerfahrung bezeichnen könnte.

Nach einer für die CSU weniger erfreulich verlaufenen Wahl, druckte eine Lokalzeitung im Raum Bad Kissingen eine Titelseite, die meinen Opa dazu bewegte eine jahrelange Konstante in seinem Leben zu ändern. Das Bild auf der Titelseite zeigt einen zufriedenen Schäferhund. Auf einer grünen Wiese sitzend, mit einer blau-weiß gekleideten Kasperle-Handpuppe im Maul.

Die Bildsymbolik wollte sich mir damals noch nicht eröffnen. Doch sie war stark genug, sogar einen starren Konservativen aus seinem Sessel zu holen und eine lang verfestigte Konstante in seinem Leben für immer zu ändern.

Ich bin mir sicher, dass mein Opa weiterhin die CSU wählt. Aber sein Zeitungs-Abonnement hat er am gleich Tag noch gekündigt.

Mittwoch, 19. Januar 2011

gelesen #5

Vielleicht bietet "Allein und zu Fuß durch Deutschland" von Axel Braig nicht nur eine kurzweiligen Leseabend, sondern auch Inspiration für die zweite Hälfte der Semesterferien. Danke Daniel.

Es gibt viel zu kehren. Fangen wir an!

Vor der Lieblingshaustür:
NewLeftMedia: Wie zwei US-Videoblogger Obama-Gegner vorführen.

Vor der "eigenen" Tür:
Briefe aus Afghanistan: Soldaten beschweren sich über geöffnete Feldpost.

Scheinbar sind die Erfahrungen an der Front so belastend, dass man lieber
mal die Post an Familie und Freunde zensiert. Das ist nicht unbedingt neu,
aber dann weiterhin (!) tatsächlich eine Verlängerung des Afghanistan-
Einsatzes in Aussicht stellen. Wow, Herr [...] Guttenberg.

parteilos

Vor ein paar Wochen hatte ich die Idee einer politischen Partei beizutreten. Ich weiß leider nicht mehr, was mich dazu veranlasst hat. Wie auch immer, mittlerweile habe ich darüber nachgedacht und muss gestehen, dass war wohl eine meiner dümmeren Ideen der letzten fünf Monate.

Samstag, 15. Januar 2011

träumend

Wir sitzen auf einer Terasse. Wir sind knapp 20 Menschen. Da sitzen alte Freunde neben Menschen, die ich im wahren Leben erst noch kennen lernen darf. Wir essen und trinken, reden und lachen. Es ist ein lauer Abend und der leichte Wind untermalt die entspannte Runde mit einem frischen Akzent von Frühling und Freiheit.

Wir sprechen über Kunst und Politik. Wir formen Ideen. Sie sind konkret und greifbar, weich und modellierbar, wie das flüssige Wachs der Kerzen. Ich selbst höre gefesselt zu, bin begeistert von der Klarkheit der Gedanken, doch mein Ich im Traum ist mit der Gruppe vertraut, nimmt Teil und geht darin auf. Es hängt ein Band von Einigkeit und Gemeinschaftlichkeit über dieser Gruppe, das ich mit konzentrierten Worten nicht fassen kann.

Mein Kopf fällt in den Nacken. Ich kämpfe dagegen an, doch schaffe es nicht. Ich schaue in den klaren Nachthimmel und sehe Sterne, die lustvoll das tiefe Schwarz der Nacht durchbrechen. Keine anderen Lichter können uns gerade nahe sein. Dieser Himmel malt das Ideal einer Nacht perfekt.

...

Auf dem Tisch dampft frischer Kaffee und Tee über die Ränder ihrer Tassen. Das Brot ist so frisch und warm, dass die Luft darüber nur zitternd aufsteigen kann, als ob sie dieser Szene länger beiwohnen will. Gläser mit selbstgemachter Marmelade und goldenem Honig. Doch nichts macht diese Szene so perfekt, wie das rötliche Sonnenlicht, das auf den Tisch fällt und zwischen den Schatten der Gläser und Tassen das alte Holz in seinem vollen Charakter scheinen lässt. Das warme Licht verbreitet die Ahnung, dass ein einzigartiger Tag bevorsteht und wir nur an dessen Anfang stehen.

...

Holz hacken, Bäume stutzen, Erde pflügen. Wir arbeiten direkt für unsere eigene Lebensqualität. Das Holz wird den Ofen füllen, der knackend und zischend, die beste aller Wärmen spendet. Von den Bäumen werden im Herbst rote Äpfel strahlen. Die Beete bringen alle Sorten von Gemüse, sogar für den Winter. Die körperliche Arbeit fühlt sich gut an. Mit dem Schweiß kommt Befriedigung. Nach einiger Zeit beschleicht mich jedoch ein ungutes Gefühl. Ein Gefühl, das nicht zu der Stimmung von letzter Nacht passt. Ich fühle mich an die Romantisierung des Ländlichen und Mittelalterlichen in der Endphase der Industriellen Revolution erinnert. Auf der Flucht vor der uniformen Industrie- und Massengesellschaft in die Vergangenheit rennend und mit einer Sense sich selbst von den letzten Jahrzenten trennen. Doch wenn ich in die Gesichter hier schaue, sehe ich keine Bauern und keine Hippies, sondern aufgeklärte und selbstbewusste Menschen.

...

Ich sitze mit vier Anderen um einen runden Tisch. Wir haben nichts vergessen oder verdrängt. Mussten nie flüchten, aber neue, unbekannte Wege gehen. Es ist heute oder morgen oder 2013. Kreatives Knistern, Bewegungen und Gedankenlinien in einem klaren und geraden Fluss. Man spürt die gegenseitige Vertrautheit, die keine Hierarchie duldet. Alles passt zusammen, wir müssen es nur lesen und festhalten.

...

Zuletzt stehe ich über dem gesamten Szenario. Ein Wohnhaus, eine Art Büro oder Atelier. Ein großer Garten. Eine Wiese mit hochgewachsenen Bäumen. Da ist Bewegung. Kreativität. Muse. Ausgleich und Gleichheit. Freiheit. Gedanken. Ideen. Etwas Abstraktes, das uns noch unbekannt ist und ungreifbar scheint.

...

Mit einem Stück Kohle in der Hand stehe ich vor einer endlos langen, weißen Tafel und schreibe Wörter, die ich nicht lesen kann...


Habe ich meine Augen offen, fällt mir das Nachzeichnen der Idee schwer. Aber ich bin froh, dass es sie gibt.